Private Equity Insights

Private-Equity-Sekundärmarkt einfach erklärt: Leitfaden für LPs und GPs (2026)

Der Sekundärmarkt hat sich zu einem etablierten Bestandteil der privaten Kapitalmärkte entwickelt. Was früher vor allem als Weg für Distressed- oder erzwungene Verkäufer galt, wird heute von Investoren, Fondsmanagern und Unternehmen genutzt, um Liquidität zu schaffen, Portfolios neu auszurichten und die Beteiligung an starken Assets länger aufrechtzuerhalten. In einem Markt, in dem traditionelle Exits oft länger gedauert haben als erwartet, ist das von Bedeutung.

Das Wachstum des Marktvolumens unterstreicht diesen Wandel. Private Equity Wire berichtete, dass der Markt 2024 auf bis zu 150 Milliarden US-Dollar zusteuerte. Bis zum ersten Halbjahr 2025 schätzte Setter Capital das gesamte Transaktionsvolumen im Sekundärmarkt auf 102,23 Milliarden US-Dollar, während UBS für denselben Zeitraum 101 Milliarden US-Dollar meldete und erklärte, dass das Gesamtvolumen für 2025 letztlich 200 Milliarden US-Dollar überschritt. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass Private-Equity-Sekundärtransaktionen nicht länger nur eine spezialisierte Nische des Marktes sind.

Sie werden zunehmend zu einem normalen Bestandteil des Managements von privatem Kapital.

Warum der Sekundärmarkt wächst

Viele Investoren wünschen sich weiterhin Liquidität, aber viele Assets haben noch nicht den idealen Verkaufszeitpunkt erreicht. Die M&A-Aktivität hat sich in einigen Bereichen verbessert, jedoch nicht genug, um den Rückstau in Private-Equity-Portfolios abzubauen, und die IPO-Märkte sind weiterhin selektiv geblieben. In diesem Umfeld bietet der Sekundärmarkt sowohl LPs als auch GPs mehr Flexibilität.

Für LPs können Secondaries dabei helfen, Portfolios neu auszubalancieren, Konzentrationen zu reduzieren und Liquidität zu generieren. Für GPs können sie eine Möglichkeit bieten, Assets mit weiterem Wachstumspotenzial zu halten, häufig über Continuation Vehicles statt über einen vollständigen Exit. PitchBook berichtete, dass die Anzahl GP-geführter Deals von 16 im Jahr 2020 auf 89 im Jahr 2024 gestiegen ist, was zeigt, wie schnell sich dieser Teil des Marktes entwickelt hat.

Der Sekundärmarkt ist breiter, als viele annehmen

Eine der wichtigsten Veränderungen der letzten Jahre ist die Bandbreite der heute verfügbaren Transaktionstypen. Der Markt wird nicht mehr nur durch den Verkauf von LP-Portfolios definiert. Er umfasst inzwischen auch GP-geführte Continuation Funds, Direct Secondaries, Preferred Equity, Credit Secondaries und andere strukturierte Liquiditätslösungen.

Der Bericht von Setter Capital für das erste Halbjahr 2025 zeigte 59,49 Milliarden US-Dollar an Fund Secondaries und 42,74 Milliarden US-Dollar an Direct Secondaries allein in der ersten Jahreshälfte. Diese Breite ist wichtig, weil unterschiedliche Portfolios unterschiedliche Lösungen erfordern. In manchen Situationen ist ein vollständiger Verkauf der richtige Weg. In anderen Fällen ist eine Teilveräußerung, eine Restrukturierung oder ein Prozess, der bestehenden Investoren die Wahl zwischen sofortiger Liquidität und weiterem Exposure ermöglicht, die bessere Lösung.

Warum das für DACH-Investoren und Unternehmen wichtig ist

Für Investoren und Unternehmen mit Sitz in der DACH-Region ist dieser Wandel besonders relevant. Die Region verfügt über eine starke Basis an Healthcare-, Industrie-, Technologie- und Spezialunternehmen, viele davon genau in dem Größensegment, in dem sorgfältige Positionierung und gezielte Umsetzung besonders wichtig sind.

In diesem Kontext sind Secondaries nicht nur eine Liquiditätslösung. Sie sind auch ein Instrument des Portfoliomanagements. Sie können Investoren dabei helfen, Kapital aus reifen Positionen freizusetzen, Exposures neu auszubalancieren und Raum für neue Prioritäten zu schaffen. Für Unternehmen, insbesondere in Sektoren wie Life Sciences, Medtech, Energie und Technologie, kann eine Externalisierung einen Weg für nicht zum Kerngeschäft gehörende Projekte bieten, die unter anderer Eigentümerschaft weiterhin echten Wert haben.

Das wird in einem Markt, in dem Käufer selektiv sind und in dem die Qualität der Umsetzung das Ergebnis wesentlich beeinflussen kann, immer wichtiger.

Geografische Balance spielt eine größere Rolle

Es gibt außerdem einen breiteren Markthintergrund, der berücksichtigt werden sollte. Es wäre zu weitgehend zu behaupten, dass sich Investoren generell von US-Assets abwenden, aber es gibt heute eindeutig mehr Fokus auf geografische Balance und Jurisdiktionsrisiken als noch vor einigen Jahren. In einem geopolitisch unsichereren Umfeld achten manche Investoren stärker auf Konzentrationsrisiken, politische Volatilität und regulatorische Exponierung.

Vor diesem Hintergrund stoßen europäische Private-Equity-Chancen, und insbesondere Chancen in der DACH-Region, auf neues Interesse. Nicht unbedingt als Ersatz für ein US-Exposure, sondern als Möglichkeit, Diversifikation hinzuzufügen und in manchen Fällen stabilere Underwriting-Bedingungen zu erhalten. Das ist besonders relevant, wenn Assets in spezialisierten Industrie-, Healthcare- und Mid-Market-Segmenten liegen, die für Käufer eine klare strategische Logik haben.

Die Preisgestaltung im Sekundärmarkt ist differenzierter geworden

Ein weiterer Grund, warum der Markt heute wichtiger ist, liegt darin, dass die Preisgestaltung anspruchsvoller geworden ist. Die frühere Annahme, dass Secondaries immer erhebliche Abschläge erfordern, trifft nicht mehr in jedem Fall zu.

Private Equity Wire berichtete, dass in einer Marktumfrage nur 17 Prozent der Befragten angaben, Preise unter 80 Prozent des NAV zu akzeptieren, während 66 Prozent Preise von 90 Prozent des NAV oder mehr anstrebten. Setter Capital berichtete zudem über die stärkere Nutzung aufgeschobener Zahlungsstrukturen, um Bewertungsdifferenzen zwischen Käufern und Verkäufern zu überbrücken.

In der Praxis bedeutet das, dass Ergebnisse weniger dadurch bestimmt werden, dass ein Asset im Sekundärmarkt verkauft wird, sondern vielmehr durch Asset-Qualität, Struktur, Vorbereitung und Prozessführung.

 

Externalisierung ist ebenfalls Teil der Chance

Dieselbe Logik gilt auch für die Externalisierung von Investments. Ein Projekt kann für einen Eigentümer nicht zum Kerngeschäft gehören, für einen anderen jedoch hochattraktiv sein. In Sektoren, in denen Entwicklungsprogramme teuer sind und strategischer Fokus zählt, kann die Überführung solcher Projekte in die richtigen Hände Kapital freisetzen, ein Portfolio vereinfachen und Wert erhalten, der sonst möglicherweise übersehen würde.

Für DACH-basierte Portfolios, insbesondere in Life Sciences, Medtech und spezialisierter Technologie, kann dies ein sehr praxisnaher Weg zur Wertrealisierung sein.

 

Der Private-Equity-Sekundärmarkt ist nicht länger nur eine Lösung für schwierige Situationen. Er hat sich zu einem praktischen Instrument für Portfoliooptimierung, Liquiditätsmanagement und Wertrealisierung entwickelt.

Für LPs bietet er einen Weg, Portfolios neu auszubalancieren und Liquidität zu generieren. Für GPs bietet er eine Möglichkeit, Assets mit hoher Überzeugung länger zu halten. Für Unternehmen und Portfolioeigentümer kann er außerdem Optionen rund um Externalisierung, strukturierte Exits und gezielte Wertschöpfung schaffen.

Im aktuellen Umfeld, und insbesondere für DACH-basierte Portfolios, lohnt es sich, genau zu prüfen, wo ein Sekundär- oder Externalisierungsprozess breitere strategische Ziele unterstützen kann. Richtig umgesetzt, kann er mehr bieten als nur Liquidität. Er kann die Portfoliostruktur verbessern, Flexibilität schaffen und Wert freisetzen, der andernfalls ungenutzt bliebe.

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